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Besuch des HSV bei JSB
Der deutsche Bundesligist Hamburger
SV entsandte den Ex-Nationalspieler Jens Todt und Sportökonom
Johannes Baumeister an die Elfenbeinküste um eine Studie über den
ivorischen Fußball auszuarbeiten. Nach Reisen in 5 andere
Westafrikanische Länder stand nun die Elfenbeinküste auf dem
Programm. Beim 5-tägigen Aufenthalt wurde der JSB ein Besuch
abgestattet.

Gruppenbild vor dem Vereinssitz

Eintrag ins Vereins-Gäste-Buch

Sekretär Lamien überreicht den Gästen aus Deutschland Geschenke

Vize-Präsident Mohamed Kone beim Fachsimpeln
während einer
Trainingseinheit
Pressebericht vom
07. Februar 2008
AFRIKA-CUP
Weltklasse - und die Bundesliga schaut weg
Von
Christoph Biermann
Die laufende
Afrikameisterschaft ist die bislang beste ihrer Geschichte. Die Fußballprofis
vom schwarzen Kontinent gehören inzwischen zur Weltklasse, doch der deutsche
Fußball tut sich schwer mit ihnen. Nun erforscht ein Bundesligist die
Möglichkeiten in Afrika.
In den vergangenen Wochen war Jens Todt viel unterwegs und hat oft gestaunt. In
Burkina Faso wurde er von einem echten König empfangen, doch mehr noch
beeindruckte den ehemaligen deutschen Nationalspieler, was er auf den staubigen
Fußballplätzen Westafrikas sah. "Wie weit junge Spieler da sind, ist einfach
irre", sagt Todt nach seinen Reisen nach Nigeria, Ghana, Mali und eben Burkina
Faso. Die Elfenbeinküste und Kamerun werden noch folgen, und nach diesen
abschließenden Exkursionen wird er gemeinsam mit dem Sportökonom Johannes
Baumeister eine "Standortanalyse" zum afrikanischen Fußball verfassen.
FUSSBALL-SUPERSTARS: WELTKLASSE MADE IN
AFRIKA
Beauftragt hat die beiden
Dietmar Beiersdorfer. "Wir würden in Afrika gerne den Fuß in die Tür stellen",
sagt der Sportdirektor des Hamburger SV und zeigt allein durch dieses
bescheidene Vorhaben mehr Interesse am afrikanischen Fußball als hierzulande
üblich. Die derzeit in Ghana laufende Afrikameisterschaft ist sportlich die
beste in der Geschichte des Wettbewerbs und beweist einmal mehr, dass die Profis
von der Elfenbeinküste oder aus Ghana ihren Kollegen aus Brasilien oder
Argentinien in nichts nachstehen. Nur spielen die besten Afrikaner nicht mehr in
der Bundesliga, wie das zu Zeiten von Anthony Yeboah, Jay Jay Okocha oder
Souleyman Sané mal der Fall war.
"Das hat sicherlich auch historische Gründe", sagt Beiersdorfer. Vor allem
französische, belgische und portugiesische Clubs nutzen die postkolonialen
Verbindungen nach Afrika, die in Deutschland fehlen. Aber dass nur einige
Bundesligisten ihre Scouts zum Turnier nach Ghana geschickt haben, ließ Kameruns
Nationaltrainer Otto Pfister bereits spotten: "Vielleicht ist es denen zu weit
und zu heiß." Zwei Dutzend afrikanische Profis stehen derzeit in der Bundesliga
unter Vertrag, von denen nur eine Handvoll nicht den Umweg über andere
europäische Länder nahm. Doch haben sich die Spieler erst einmal in Europa
etabliert, sind sie für die deutschen Clubs zu teuer.
"In Afrika besteht sicherlich
die Riesenchance, eine Nische zu besetzen", sagt Martin Bader, Manager des 1.FC
Nürnberg. Mangelnde Marktkenntnis ist für ihn jedoch der entscheidende Grund
dafür, dass sich die deutschen Clubs in Afrika so schwer tun. Niemand kennt die
Ligen, die Spieler und die handelnden Personen. Selbst die Bewertung
spielerischer Qualität fällt seiner Meinung nach schwerer als sonst: "Wie
schätzt man eine Leistung zutreffend ein, wenn vor ein paar hundert Zuschauern
auf holprigem Rasen im Kongo gespielt wird?" Selbst Joe Mnari musste vor seiner
Verpflichtung beim 1.FC Nürnberg ein Probetraining machen, obwohl er damals
bereits 28 Jahre alt und Kapitän der tunesischen Nationalmannschaft war.
Doch wie engagiert man sich in Afrika am besten? Red Bull Salzburg investiert in
Ghana gerade sieben Millionen Euro in eine neue Fußballschule, während Feyenoord
Rotterdam seine 1999 ebenfalls in Ghana gegründete Akademie gerne abgeben würde,
wie hinter vorgehaltener Hand gesagt wird. Ajax Amsterdam überdenkt ebenfalls,
ob es sich lohnt, die Filiale Ajax Kapstadt weiter in der ersten Liga Südafrikas
spielen zu lassen. Und der HSV wird Mitte Februar darüber nachdenken, welcher
Weg nach Afrika der richtige ist, wenn der Bericht von Jens Todt vorliegt.
"Wir wollen zunächst ein Gefühl
dafür bekommen, was dort los ist", sagt Beiersdorfer, "Projekte müssen nicht von
heute auf morgen umgesetzt werden." Wahrscheinlich aber ist, dass der
Bundesligist in einem der bereisten Länder eine Fußballschule gründet, sich an
einem bereits bestehenden Projekt beteiligt oder einem afrikanischen Club zum
Partnerverein macht. Doch der HSV muss sich auch darüber im Klaren sein, dass so
ein Vorhaben neben der Ausbildung von Fußballtalenten eine zusätzliche Ebene
hätte.
Auf den afrikanischen Fußballtalenten lasten gewaltige Erwartungen der Familien,
dass die Spieler es schaffen und so ihren Clan ernähren können. Daher werden
Schule und Ausbildung nicht selten wegen des Fußballs vernachlässigt, und selbst
auf den Flüchtlingsschiffen nach Europa sitzen oft Jugendliche, die auf eine
Traumkarriere in Europa hoffen. Für Todt ist daher schon jetzt klar, welche
Seite ein weitergehendes Engagement in Afrika noch hätte. "Das muss man
sicherlich auch als soziales Projekt sehen", sagt er.
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